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Schwammbefall und holzzerstörende Pilze

 

Echter Hausschwamm (Serpula lacrymans)

Der bekannteste und zugleich auch gefährlichste Holzzerstörer ist der echte Hausschwamm (Serpula lacrymans). Eine Meldepflicht besteht in NRW inzwischen nicht mehr. Dieser Schwamm zerstört bevorzugt feuchtes Holz, befällt aber auch trockenes Holz und sogar Mauerwerk (linkes Foto: Hausschwamm unter einer durch Feuchtigkeit zerstörten Holzfensterbank). Der echte Hausschwamm ist empfindlich gegenüber Witterungseinflüssen und breitet sich daher häufig, oft lange Zeit unbemerkt,  z. B. hinter Wandverkleidungen, unter Fußböden oder in Zwischendecken aus. Er tritt oft in Altbauten mit Schäden an der Bausubstanz auf, durch die Feuchtigkeit in das dort verbaute Holz eindringt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für sein Wachstum benötigt er eine deutlich niedrigere Holzfeuchtigkeit als andere Holz zerstörende Pilze, etwa 30% Holzfeuchte. Er wächst in einem relativ engen Temperaturbereich zwischen etwa 3°C und 26°C, mit optimalen Wachstumstemperaturen von ca. 18°C bis 20°C. Sein Myzel (Geflecht) kann über weite Strecken die unterschiedlichsten Substrate durchwachsen und die lebensnotwendige Feuchtigkeit transportieren, bis es weiteres Holz erreicht.

Befallenes Holz erhält eine würfelige Konsistenz und zerfällt schließlich. Auf dem oberen Bild hat sich Schwammbefall in einem Altbau unter einer Holzfensterbank gebildet. Das Myzel hat auch das Mauerwerk durchwachsen.

Die Fruchtkörper des echten Hausschwamms sind fleischig-dick mit einem scharf begrenzten weißen Zuwachsrand. Das  Sporenpulver ist rotbraun (Fotos unten).

   

    

Hausschwamm ist nicht nur eine Gefahr für die Bausubstanz sondern u. U. auch für die Gesundheit, da seine Sporen Allergien auslösen und seine gasförmigen Stoffwechselprodukte Kopfschmerzen oder Übelkeit hervorrufen können.

 

Gelbrandiger Hausschwamm (Serpula pinastri)

Der gelbrandige Hausschwamm (Serpula pinastri, Leucogryophana pinastri) ist mit dem echten Hausschwamm eng verwandt und verfügt über ein vergleichbares Zerstörungspotenzial. Er benötigt allerdings eine höhere Holzfeuchtigkeit als der echte Hausschwamm. Man findet diesen Hausschwamm häufig nach einer massiven Durchfeuchtung, z.B. nach einem Wasserschaden. Bei fortschreitender Austrocknung ohne fachgerechte Sanierung kann der gelbrandige Hausschwamm zum Wegbereiter für den echten Hausschwamm werden. Er muss ebenfalls entsprechend der DIN 68 800 bekämpft werden.

Sein Fruchtkörper hat im Gegensatz zum echten Hausschwamm eine gelbliche Zone am Zuwachsrand. In der Laborkultur entwickelt er sich in charakteristischer Weise anders als der echte Hausschwamm, so dass diese beiden Schwammarten sicher voneinander unterschieden werden können.

 

 

 

Brauner Kellerschwamm (Coniophora puteana)

Der braune Kellerschwamm (Coniophora puteana) hat einen relativ hohen Feuchtigkeitsbedarf von 50% bis 60%. Sein Temperaturoptimum liegt etwa bei 22°C bis 24°C. Durch ihn ist alles Holz im Bereich feuchter Mauern, z. B. Balkenköpfe, feuchter Böden (Fußböden und Balkendecken z. B. in Bädern, Küchen, Toiletten), sowie alles Holz in Räumen mit starker Wasserdampfentwicklung gefährdet. Sein Zerstörungspotenzial kann dem des echten Hausschwamms vergleichbar sein. Das Myzel des Kellerschwamms ist zunächst weißlich und wird mit zunehmendem Alter zunächst graubraun und dann dunkelbraun. Die wurzelartig verzweigten Stränge haften der Unterlage fest an.

Er tritt nicht selten in Neubauten auf, z. B. wenn Fußböden zu früh auf noch feuchtem Estrich verlegt und luftdícht, z. B. durch Linoleum oder PVC-Bodenbeläge, abgeschlossen wurden. Seine Existenz bleibt meist lange unbemerkt, da auf den Außenflächen des Holzes keine oder nur diskrete Anzeichen für eine Zerstörung erkennbar sind, während das Holz auf der Unterseite schon verfault sein kann. Bei Austrocknung ohne fachgerechte Sanierung kann dieser Schwamm Wegbereiter des echten Hausschwamms sein.

 

Weißer Porenschwamm (Poria vaillantii)

Porenschwämme wachsen in einem breiten Temperaturbereich von 3°C bis etwa 40°C. Ihre optimale Wachstumstemperatur liegt bei etwa 27°C.

Der bevorzugt auf Nadelholz vorkommende weiße Porenschwamm (Poria vaillantii) und weitere sogenannte Porenschwämme befallen Holz mit einer optimalen Feuchtigkeit von etwa 40%.  Mit dem Austrocknen des Holzes stellen Porenschwämme das Wachstum ein, können aber auch mittels Trockenstarre u. U. jahrelang überdauern, so dass auch hiervon die Gefahr eines Wiederauflebens des Befalls ausgeht. Wie beim Hauschwamm und Kellerschwamm entsteht Braunfäule mit Würfelbruch. Fruchtkörper finden sich selten. Das Schwamm-Myzel breitet sich eisblumenartig aus.

 

 

 Einige ausgewählte Schadensbilder

Vollständige Zerstörung einer Holzbalkendecke unter einem Badezimmer nach einem Wasserschaden durch den echten Hausschwamm (Übersicht und Detail).

      

Schwammbefall unter einem Holzdielenboden. Der Raum befindet sich über einem feuchten Gewölbekeller.

    

Hausschwamm- und Schimmelpilzbefall auf einer durchfeuchteten Außenwand durch ein lange Zeit undichtes Dach. Auf der Tapete sieht man nur leichte Verfärbungen.

    

 

Schwammbekämpfung

Ohne die Situation vor Ort und das Ausmaß eines Schwammbefalls zu kennen, sind keine spezifischen Sanierungsempfehlungen möglich. Daher finden Sie an dieser Stelle nur einige allgemeine Hinweise. Grundvoraussetzung für eine dauerhafte Schwammbekämpfung (dies gilt nicht nur für den echten Hausschwamm sondern auch für andere Schwammarten und weitere Holz zerstörende Pilze) ist die Beseitigung der Feuchtigkeitsursache(n). Diese können z. B. sein: aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk, Einbau von nassen Baumaterialien, Wiederverwenden von (befallenen) Baumaterialien, wie es nach dem 2. Weltkrieg häufig der Fall war, mangelnde Austrocknung des Gebäudes, Tauwasserbildung, Sanierungsfehler. Auch nicht rechtzeitig sanierte Schäden an der Bausubstanz, z. B. eine lückenhafte Dacheindeckung, undichte Wasser- oder Heizungsrohre sowie Rohrbrüche, übergelaufene Wasch- oder Spülmaschinen und verstopfte Regenwasserabflüsse können Grundlage für Schwammbefall sein.

Hausschwamm muss entsprechend der DIN 68 800 (Holzschutz im Hochbau) bekämpft werden. Das befallene Holz muss mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand (mindestens 1m) über den erkennbaren Befall hinaus ausgetauscht werden. Auch die übrigen Baumaterialien, z. B. Fugenmörtel, Schüttungen müssen entfernt werden. Das Mauerwerk muss mit für die Schwammbekämpfung zugelassenen Mitteln behandelt werden, z. B. Bohrlochtränkung. Das verbliebene bzw. neu eingebrachte Holz muss ebenfalls mit einem amtlich zugelassenen Holzschutzmittel behandelt werden.

Da ein Schwamm u. U. über Jahre in einer sogenannten Trockenstarre verbleiben kann um dann bei günstigen Lebensbedingungen wieder aktiv zu werden, ist auch bei einem nicht (mehr) aktiven Schwammbefall eine grundlegende Sanierung erforderlich.

Das Abflämmen des Mauerwerks reicht zur Abtötung des Schwamms in der Regel nicht aus. Laborversuche haben gezeigt, dass zwar das Schwamm-Myzel bei Temperaturen um 60 °C abgetötet wird, die Schwammsporen aber wesentlich resistenter gegen Hitze sind, so dass ein Wiederaufleben des Befalls nach einer solchen Behandlung nicht auszuschließen ist.

Die Sanierung eines Kellerschwammbefalls erfolgt primär durch Austrocknen des befallenen Baumaterials, da dieser Schwamm trockenes Holz nicht zerstört. Morsches Holz muss jedoch entfernt werden. Da eine erneute Befeuchtung des Holzes jedoch nicht auszuschließen ist, sollte das verbliebene sowie das neu eingebaute Holz mit einem hierfür zugelassenen Holzschutzmittel behandelt werden.

Eine Schwammbekämpfung (auch bei anderen Schwammarten) sollte grundsätzlich nicht im Do-it-yourself-Verfahren sondern von einem erfahrenen, sachkundigen Fachunternehmen  durchgeführt und möglichst von einem Bausachverständigen begleitet werden. Dieser dokumentiert auch den Sanierungsfortschritt und erstellt nach Abschluss der Maßnahmen einen Bericht. Dieser ist z. B. wichtig, wenn das Gebäude verkauft werden soll. Wir bieten diese Leistung an.

 

Laboruntersuchung

Eine Laboruntersuchung von (möglicherweise) Schwamm befallenem Material, z. B. Holz, Mörtel, Putz, Mauerwerk, Schüttungen, mit Anzucht auf Spezial-Nährböden gibt Aufschluss darüber, ob ein vitaler (aktiver) Schwammbefall vorliegt und um welchen Schwamm oder andere Holz zerstörende Pilze es sich handelt. Da die damit vergesellschaftete Schimmelpilze ebenfalls identifiziert werden, können auch die Gesundheitsrisiken bewertet werden. Der erforderliche Sanierungsaufwand kann aufgrund dieser Ergebnisse besser den Gegebenheiten vor Ort angepasst werden.

Problematisch können alte Fruchtkörper sein, da diese meist massiv von Schimmelpilzen besiedelt sind und ein Schwammnachweis nicht immer oder nur mit großem Zeitaufwand (u. U. mehrere Wochen) möglich ist. Die Proben werden in unserem  Labor auf Spezialnährböden angezüchtet. Die Pilzelemente werden außerdem mikroskopisch beurteilt. In der Regel ist eine Identifizierung des Schwamms und eine Einschätzung der Vitalität (Aktivität) innerhalb von 1 bis 2 Wochen möglich. Bei einem aktiven Befall liegt das Ergebnis relativ schnell vor.

  1. Die Materialentnahme erfolgt durch uns im Sanierungsobjekt. Dies ist der Fall, wenn wir die Sanierungsmaßnahmen begleiten. Wir besprechen vor Ort mit den Beteiligten, an welchen Stellen eine Probenahme erfolgt. Die Situation vor Ort wird zudem fotografisch dokumentiert. Das Ergebnis wird telefonisch bzw. per Fax/E-Mail umgehend mitgeteilt, damit die Sanierungsmaßnahmen gezielt und ohne unnötige Verzögerung fortgesetzt werden können. Orientierende Tests, ob es sich um Myzel des echten Hausschwamms handelt, sind bereits vor Ort möglich. Daher ist dies das optimale Vorgehen, um einen Schwammbefall und die Bekämpfungsmaßnahmen sicher zu bewerten
  2. Das Material wird von den an der Sanierung Beteiligten in unser Institut gebracht. Hierzu bitten wir um kurzfristige telefonische Benachrichtigung. In diesem Fall ist nur eine Aussage zu den ausgehändigten Proben möglich. Eine Beratung hinsichtlich der Sanierung ist ohne Kenntnis der Situation nicht möglich.
  3. Das Material wird uns mit der Post oder durch einen Zustelldienst übersandt. Auch in diesem Fall ist eine telefonische Information wünschenswert. Auch hier sind keine Sanierungsempfehlungen oder die Bewertung des Gesamtschadens möglich.

 

 

Weiterführende Literatur

Dietger Grosser: Pflanzliche und tierische Bau- und Werkholzschädlinge; DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen (1985); ISBN 3-87181-312-5

Olaf Schmidt: Holz- und Baumpilze. Biologie, Schäden, Schutz, Nutzen; Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York (1994); ISBN 3-540-57334-8 

 

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Copyright: Dr. Christel Bluhm und Bernd Entz. Eine Verwendung der Fotos bedarf unserer schriftlichen Zustimmung