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Grundvoraussetzung für Schimmelbildung
ist neben den überall vorkommenden Kohlenstoffquellen ein Minimum an
Feuchtigkeit. Unter ständig
trockenen Bedingungen kann sich kein Schimmel entwickeln! Da
aber Schimmelpilze keine sehr hohen Ansprüche stellen und in ihren
vegetativen Formen monate-, jahre- und z. T. jahrzehntelang überdauern
können, bevor sie wieder günstige Wachstumsbedingungen finden, kann schon
sporadisch auftretende höhere Feuchtigkeit zum Befall führen. Sind z.B.
eine Wand, eine Dachschräge, der Estrich oder ein Teppich feucht geworden,
muss dafür gesorgt werden, dass der Bereich möglichst schnell wieder
austrocknen kann (Fotos: Schimmelpilzbefall auf einer Wand und auf der
Rückwand des davor stehenden Kleiderschranks nach einem Wasserschaden im
angrenzenden Bad).

Gründe für feuchte Stellen können
neben spontanen Wassereinbrüchen auch Schäden am Gebäude sein, z. B.
Undichtigkeiten des Daches, Mauerrisse, unzureichende Abdichtung von
Fenster- und Türanschlüssen (rechtes Foto, unten: Schimmelpilzbeildung an
einem lückenhaften Rahmenanschluss ), nicht isolierte Außenwände, Schäden
im Erdkontaktbereich, undichte Versorgungsrohre oder so genannte
Wärmebrücken. Auch häufige Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und der
Temperatur können das Wachstum von Schimmelpilzen begünstigen.
Als Luftfeuchtigkeit wird das
in der Luft enthaltene unsichtbare gasförmige Wasser bezeichnet. Mit
steigenden Temperaturen kann die Luft auch zunehmende Mengen gasförmigen
Wassers aufnehmen. Dies kann zu einer steigenden absoluten Wassermenge in
der Luft [in g Wasser / m³ Luft] führen. Voraussetzung dafür ist ein
Wasserreservoir, aus dem Wasser verdampft.
Von
dieser absoluten Wassermenge muss die relative Luftfeuchtigkeit
unterschieden werden. Ist die Luft an gasförmigem Wasser gesättigt,
schlägt sich Wasser in flüssiger Form nieder. Die Sättigungsgrenze wird
als 100% relative Luftfeuchtigkeit bezeichnet und ist temperaturabhängig.
Wird das Wasser in der Luft sichtbar als Nebel, Wasserdampf aus
Schornsteinen oder gar als Regen, sind die 100% relative Luftfeuchtigkeit
überschritten, und flüssiges Wasser in Form von kleinen Tröpfchen
befindet sich in der Luft. Bei gleich bleibender absoluter Wassermenge in
der Luft nimmt die relative Luftfeuchtigkeit mit steigender Temperatur ab
bzw. bei sinkender Temperatur zu.
Wird
relativ trockene Luft abgekühlt oder trifft sie auf kalte Flächen, steigt
die relative Luftfeuchtigkeit dementsprechend. Das kann soweit führen,
dass der Taupunkt, die Temperatur, bei der 100 % relative
Luftfeuchtigkeit erreicht wird, unterschritten wird und sich das Wasser
niederschlägt. Auf diese Art können in Räumen, die häufiger wechselnden
Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten ausgesetzt sind, feuchte Stellen
entstehen, an denen sich Schimmelpilze ansiedeln können. Entsprechend
kühlen in lange Zeit nicht geheizten Räumen die Wände stark aus, und
Kondensationsfeuchtigkeit tritt dort auf.
Der Mensch fühlt sich wohl bei
Luftfeuchtigkeiten zwischen 40 und 65%. Darunter ist ihm die Luft
"zu trocken", darüber "zu schwül". Mit einem
Thermo-Hygrometer kann man leicht selbst überprüfen, ob das Raumklima in Ordnung ist. Die Räume
sollten nicht zu stark auskühlen und die Luftfeuchtigkeit möglichst im
Bereich zwischen 45 % und 55 % liegen (linkes Foto: beschlagene
Fensterscheiben durch zu hohe Luftfeuchtigkeit). Die Untergrenze, bei der
Schimmelpilze gut wachsen können, liegt bei 65-70 %. Das Raumklima kann
durch das Aufstellen eines Thermo-Hygrometers kontrolliert werden.

Feuchtigkeit schlägt sich im
Allgemeinen dort nieder, wo eine bessere Wärmeleitfähigkeit besteht als
in der Umgebung. Metalle wie Fensterrahmen aus Aluminium haben z. B. eine
sehr gute Wärmeleitfähigkeit. Dies macht sie zu besonders gefährdeten
Punkten für Feuchtigkeit.
Schlafräume, die in der Regel weniger
temperiert werden als die übrigen Wohnräume, sind besonders anfällig für
Schimmelbefall. Wichtig ist es, den Raum vor dem Zubettgehen für einige
Minuten mit weit geöffneten Fenstern gründlich durchzulüften und auch am
Morgen nach dem Aufstehen für einen effektiven Luftaustausch zu sorgen.
Insbesondere in den feuchtkalten Übergangsjahreszeiten sollten die
Fenster nicht stundenlang in Kippstellung stehen.
Sind die (Außen-)Wände großflächig
verdeckt, z. B. durch größere Schrank- oder Regalwände oder große dicht
anliegende Bilder bzw. Spiegel, ist dahinter keine ausreichende Luftzirkulation möglich.
Vermeiden lassen sich Feuchtigkeitsprobleme und Schimmelbefall am ehesten,
wenn die Möbel etwa 5 cm von der Wand entfernt möglichst auf Füßen stehen
und bis zur Decke auch noch Platz ist.
In Bädern und Duschen werden bei der
Nutzung sehr hohe Feuchtigkeitswerte erreicht. Kann dann nicht
anschließend nach außen hin genügend entlüftet werden, liegen ideale
Bedingungen für Schimmelwachstum vor. Besonders an etwas rauhen
Oberflächen wie Kachelfugen oder Silikondichtungen siedeln sich die
Schimmelpilze an. Liegen Waschräume, Bäder oder Duschen zentral im
Gebäude ohne Fenster nach außen, so sollten sie nicht in die
anderen Räume entlüftet werden. Ein in solchen innen liegenden Bädern
meist installierter Abluftventilator muss regelmäßig überprüft werden. Da
sich auf der Filtermatte Schimmelpilzsporen anreichern, muss diese
regelmäßig ausgetauscht werden.
Feuchte Keller sind häufig ein Problem, besonders bei älteren
Gebäuden. Auf den feuchten Wänden blättert der Anstrich oft großflächig
ab und es bildet sich Schimmelpilzbefall. Dadurch ist es in vielen Fällen
nicht möglich, die Kellerräume zu Lagerzwecken, als Hobbyraum oder
Werkstatt zu nutzen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Situation zu verbessern.
Oft reicht schon eine effektive Lüftung aus. Sofern die Feuchtigkeit
durch von außen eindringende bzw. von unten aufsteigende Feuchtigkeit
(mit-)verursacht wird, sind weitere Maßnahmen erforderlich. Falls durch
Leckagen Feuchtigkeit im Sockelbereich eindringt, z. B. durch ein
undichtes Fallrohr oder eine schadhafte Abdichtung im Erdkontaktbereich,
müssen die Schäden beseitigt werden. Es kann jedoch lange dauern, bis das
durchfeuchtete Mauerwerk ausgetrocknet ist.
Auch wenn das Freilegen und Isolieren des Sockels häufig zur
Trockenlegung von nassen Kellern angewendet wird, gibt es auch Fälle, in denen
dies nicht möglich ist, z.B. bei aneinander gebauten Häusern oder
aufgrund anderer Besonderheiten. In diesen Fällen kommen alternative
Trockenlegungsmethoden zum Einsatz. Welches Verfahren geeignet ist, muss
im Einzelfall überprüft werden. Es ist ratsam, sich von mehreren
Fachfirmen beraten zu lassen, um das für das Objekt geeignete Vorgehen
auszuwählen.
Wir haben an einem von uns ausgewählten Keller in einem alten
Gebäude, der an einen Bach grenzt, in einem Langzeitversuch (2007 bis
2010) überprüft, ob durch das System der Firma Aquapol eine
zufriedenstellende Trocknung möglich ist. Es wurden keine zusätzlichen
baulichen Maßnahmen durchgeführt, z: B. Entfernen des belasteten Putzes.
Dennoch verbesserte sich die Situation grundlegend. Die Untersuchungsergebnisse,
die im September 2011 in Berlin (http://www.youtube.com/AquapolDE)
vorgestellt wurden, stehen als PDF-Datei
zur Verfügung. Es ist anzumerken, dass es sich hier um einen
Erfahrungsbericht zu einem Einzelobjekt handelt, bei dem ein
eindrucksvoller Erfolg erzielt wurde. Dennoch ist das Aquapol-Verfahren
nicht bei allen Feuchtigkeitsproblemen geeignet.
Zur Vorbeugung gegen und Bekämpfung von Schimmelbefall
hilft am besten regelmäßiges Lüften. Hierbei sollten die Fenster zwei-
bis dreimal am Tag für einige Minuten weit geöffnet werden (am besten mit
Durchzug) und nicht stundenlang "auf Kippe" gestellt werden.
Bei letzterer Maßnahme kühlt die Umgebung des Fensters stark aus und kann
zu einer Wärmebrücke werden, an der Schimmelpilzbefall entsteht.
Um einen (wiederholten) Schimmelbefall
zu verhindern, ist auf jeden Fall für eine Beseitigung der
Feuchtigkeitsquellen zu sorgen. Bestehen bauliche Mängel, so sind
diese so schnell wie möglich zu sanieren. Auch das Nutzerverhalten muss
kritisch hinterfragt und möglicherweise geändert werden. Solange die
Voraussetzungen für Feuchtigkeitsbildung nicht abgestellt sind, lässt
sich der Schimmelbefall nicht wirksam beseitigen, sondern er tritt immer
wieder auf. "Übertünchen" hilft nicht weiter, das Problem wird
damit nur versteckt!
Um feuchte Stellen möglichst schnell
zu trocknen, hilft neben dem Lüften Wärme, also eine möglichst hohe
Heizleistung bzw. der Einsatz von Trocknungegeräten. Das ist natürlich bei steigenden
Energiepreisen keine Dauerlösung des Problems. Helfen kann dies nur bei
einmaligen Wassereinbrüchen oder auch zum Austrocknen des Mauerwerks von Neubauten vor dem Bezug. Leider
ist das langfristiges Leerstehen zum Austrocknen des Mauerwerks aus
wirtschaftlichen und terminlichen Gründen oft nicht durchführbar. Deshalb
muss beim Bezug von noch baufeuchten Wohnungen darauf geachtet werden,
dass das noch feuchte Mauerwerk nicht versiegelt wird, z.B. durch
Wandverkleidungen oder versiegelnde Anstriche. Möbel sollten mit
ausrechendem Wandabstand aufgestellt werden, damit die Luft dahinter noch
zirkulieren kann.
Um Energie zu sparen (Energiepass) sollten veraltete Heizungen,
z.B. Nachtspeicher oder Öl- bzw. Gaseinzelöfen, gegen neue,
umweltfreundliche und effiziente Heizungen ausgetauscht werden. Außerdem
empfehlen sich fachgerecht durchgeführte Isolierungsmaßnahmen der
Fassade. Eine Untersuchung des Gebäudes mittels Thermografie zeigt die
Schwachstellen der Gebäudehülle auf, an denen ein Wärmeverlust auftritt.
Eine Wärmedämmung des Gebäudes ist eine effektive, aber auch nicht
billige Maßnahme. Bei Altbauten werden diese Isolierungsmaßnahmen oft
nachträglich ausgeführt. Dabei muss darauf geachtet werden, dass keine
Innenisolierungen, z.B. Rigips, Styropor oder Holzverkleidungen, an
feuchten Wänden durchgeführt werden. Ansonsten wird die Feuchtigkeit im
Mauerwerk festgehalten und kann zu verstecktem Schimmelbefall hinter der
Verkleidung führen. Dies wird häufig erst zu spät entdeckt und bedingt
dann teure bauliche Maßnahmen. Empfehlenswert sind dagegen
Kalzium-Silikat-Klimaplatten.
Hat sich erst einmal Schimmel
gebildet, so muss dieser vollständig entfernt werden. Ist nur die Oberfläche
befallen, kann der Befall z. B. durch Abkratzen, Entfernen von Tapete,
Putz oder Fugendichtmasse mit anschließender vollständiger Austrocknung
beseitigt werden. Maßnahmen wie das Behandeln mit pilztötenden
(fungiziden) Chemikalien, 70%igem Alkohol helfen in der Regel nur
kurzfristig bzw. bei einem relativ geringen oberflächlichen Befall.
Chemische Mittel auf Chlorbasis sind gesundheitlich bedenklich und
sollten in Wohnräumen nicht verwendet werden. Durch die Bleichwirkung von
Chlor "verschwindet" der Schimmel, tritt aber wieder in
Erscheinung, wenn der Wirkstoff aufgebraucht ist und weiterhin
ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Außerdem sollte darauf geachtet
werden, dass Mittel auf Chlorbasis nicht gleichzeitig bzw. zeitnah mit säurehaltigen
Reinigungsmitteln, z.B. Essigreiniger, verwendet werden, da sonst u. U.
gesundheitsschädliches Chlorgas entstehen kann. Gesundheitlich
unbedenklich und dennoch effektiv sind Mittel auf der Basis Wasserstoffperoxid oder
Fruchtsäuren. Solange die Feuchtigkeitsursachen nicht beseitigt sind,
tritt der Befall immer wieder auf.
Existiert der Schimmel schon lange
Zeit vor dem Entdecken, so hilft oft nicht mehr das oberflächliche
Entfernen, da er mit seinem Pilzgeflecht schon tief in den Untergrund eingedrungen
ist. In solchen Fällen sind dann häufig nur größere bauliche Maßnahmen
erfolgreich, da sonst der Pilz aus dem Untergrund immer wieder an die
Oberfläche dringt. Am wichtigsten ist auch hier, dass die
Feuchtigkeitsursachen beseitigt werden, um den Pilzen die
Lebensgrundlagen zu entziehen. Bei großen Schäden sollten die Sanierungsarbeiten möglichst
nicht im Do-it-yourself-Verfahren sondern von einem erfahrenen
Fachunternehmen durchgeführt werden bzw. von einem Bausachverständigen
begleitet werden. Eine nicht fachgerechte bzw. nicht ausreichende
Sanierung kann zu kostenintensiven Folgeschäden führen.
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